IQZ – Drei Wuppertaler sorgen für mehr Sicherheit

Artikel der Stadtzeitung Wuppertal vom 09.05.2018 von Markus von Blomberg – Wuppertal ist innovativ. So wie vor 150 Jahren die Gründerzeit das Bergische Land zur Blüte brachte, sind heute wieder zahlreiche Gründerunternehmen in der Stadt aktiv. Startup heisst das nun, gemeint ist aber das selbe wie damals: Neue Unternehmen gründen, kreativ sein, Arbeitsplätze schaffen.

           Foto: Uwe Schinkel

So wie das junge Unternehmen IQZ:

Ein Fahrzeugrückruf! Wer hat nicht schon einmal davon gelesen oder war gar selbst betroffen. Auch den Vorstand von Automobilkonzernen treibt schon das Wort Schweißperlen auf die Stirn. Ist Gefahr im Verzug? Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Bauteil ausfällt und dies zu fatalen Konsequenzen führt? Ist es ein weltweites Problem oder können Muster erkannt werden, die auf regionale Probleme schließen lassen?

Dass sich hieraus auch Chancen ergeben und schließlich ein Startup gegründet wird, und zwar in Wuppertal, das ist nicht jedem bekannt.

An der Bergischen Universität lehrt und forscht Arno Meyna auf dem Gebiet der Sicherheits- und Verkehrstechnik. Immer wieder beschäftigt er sich dabei auch mit der Frage der Ausfallwahrscheinlichkeit von Bauteilen. So auch Dirk Althaus, Andreas Braasch und Marco Schlummer, die bei Meyna promovieren. Die berufliche Perspektive für die jungen Doktoranden ist dabei ziemlich klar: Solche Fachleute werden von den großen Automobilkonzernen und Zulieferern dringend gesucht. Der sichere Arbeitsplatz wartet schon, gute Bezahlung inklusive.

Aber die drei um Professor Meyna lockt eine andere Vision: Sich selbständig zu machen, ein eigenes Unternehmen gründen, der eigene Herr sein.

2012 ist es soweit: die vier Ingenieure springen ins kühle Nass der Selbstständigkeit. „Institut für Qualitäts- und Zuverlässigkeitsmanagement“ nennen sie ihr Startup. Weil das keiner behalten kann, heissen sie einfach kurz IQZ. Zum Glück können sie auf die intensive Unterstützung der Uni Wuppertal setzen, als Businessplan, Gründerstipendium und zahlreiche weitere, ingenieurfremde Herausforderungen warten.

Mit guter Vorbereitung wird schon nach kurzer Zeit der erste Großkunde akquiriert, schnell folgen weitere. Mittlerweile vertrauen große wie kleine Konzerne aus den Bereichen Automotive, Luftfahrt, Konsumgüter und Maschinenbau auf die Kompetenzen des IQZ, unter anderem auch, wenn es darum geht, autonomes Fahren sicher zu machen. In diesem Bereich planen die Wuppertaler in Kooperation mit einem großen Automobilkonzern Patente anzumelden.

Das Team des IQZ ist aber nicht nur tätig, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. Branchenübergreifend entwickeln die Wuppertaler Prozesse und Methoden, damit Produkte in der schnelllebigen und komplexen Welt der Technik sicher und zuverlässig auf den Markt gebracht werden können. So steckt in fast allen neuen Fahrzeugen eines deutschen Automobilkonzerns ein wenig Wuppertaler Know-How.

Aber auch wenn es nicht direkt um Sicherheit und Zuverlässigkeit geht, sind ihre mathematischen Fähigkeiten gefragt. Neudeutsch würde man es „Data Science“ nennen. Also die Fähigkeit, Massendaten für die Optimierung von Geschäftsprozessen nutzbar zu machen. Ein Bereich, der aktuell rasant wächst und alle Branchen betrifft.

Und was hat die Region davon? Lehraufträge an der Uni, VDI, Bergisches Qualitätsforum oder der vom IQZ mit ins Leben gerufene Zukunftssalon Automotiv sind Beispiele dafür, dass den mittlerweile 25 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nicht langweilig wird und die Themen Sicherheit und Zuverlässigkeit in Wuppertal einen festen Platz haben.

Wer als Wuppertaler in der Zeitung von Fahrzeugrückrufen liest, dem treiben diese Nachrichten in der Regel keine Schweißperlen auf die Stirn. Vielmehr kann er stolz sein, dass höchstwahrscheinlich ein Wuppertaler Startup daran beteiligt ist, Schlimmeres zu verhindern.

Ihr Markus von Blomberg

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